Gesundheit

Lewy-Körper-Demenz: Symptome, Ursachen & Verlauf

Die Lewy-Körper-Demenz (LBD) ist nach Alzheimer eine der häufigsten Formen der fortschreitenden Demenz. Die Krankheit ist nach dem deutschen Nervenarzt Friedrich H. Lewy benannt, der als Erster die charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn beschrieb. Patienten werden im Verlauf der Erkrankung zunehmend pflegebedürftig. Informieren Sie sich hier über Ursachen, Symptome, Diagnose und Unterstützungsmöglichkeiten.

Was ist Lewy-Körper-Demenz?

Die Lewy-Körper-Demenz wird auch Lewy-Body-Demenz (LBD) genannt. Als primäre Demenzform ist die Krankheit nicht heilbar, aber mit geeigneter Unterstützung lässt sich die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern. In Deutschland sind schätzungsweise 100.000 bis 200.000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen — die Dunkelziffer ist hoch, da LBD häufig fehldiagnostiziert wird.

Etwa zehn Prozent aller Demenzerkrankten leiden an einer Lewy-Körper-Demenz. Häufig betrifft sie Menschen über 65 Jahre. Männer sind statistisch etwas häufiger betroffen als Frauen.

Was sind Lewy-Körperchen?

Der Name der Erkrankung geht auf den deutschen Nervenarzt Friedrich H. Lewy zurück. Er entdeckte zu Beginn des 20. Jahrhunderts fehlerhafte Eiweißablagerungen im Gehirn, die seither seinen Namen tragen. Diese Lewy-Körperchen bestehen hauptsächlich aus dem Protein Alpha-Synuclein und lagern sich in den Nervenzellen der Großhirnrinde und des Hirnstamms ab.

Die Ablagerungen schädigen die betroffenen Nervenzellen und stören die chemische Kommunikation im Gehirn — insbesondere die Produktion von Dopamin und Acetylcholin. Das erklärt, warum LBD sowohl kognitive als auch motorische Symptome hervorruft.

Einordnung: Neurodegenerative Demenzen

Neurodegenerative Demenzen betreffen das Nervensystem und schreiten langsam voran. Zur Gruppe der primären Demenzen gehören neben der Lewy-Körper-Demenz auch Alzheimer, die Frontotemporale Demenz und die Parkinson-Demenz. Sie alle kennzeichnen sich durch unheilbare Veränderungen im Gehirn. Vaskuläre Demenzen hingegen entstehen durch Arterienverstopfungen und zählen zu den sekundären Formen.

Ursachen & Risikofaktoren

Ähnlich wie bei Alzheimer entsteht die Lewy-Körper-Demenz durch Ablagerungen im Gehirn. Eine konkrete, einzelne Ursache für die Entstehung der Lewy-Körperchen ist bisher nicht bekannt. Die Forschung untersucht genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Stoffwechselprozesse als mögliche Auslöser.

Die abnormen Proteinablagerungen hemmen die Aktivität wichtiger Neurotransmitter. Das führt zu einer fortschreitenden Zerstörung der betroffenen Nervenzellen — ein Prozess, der sich nicht umkehren lässt, aber durch gezielte Behandlung verlangsamt werden kann.

Verbindung zu Parkinson

Lewy-Körperchen kommen nicht nur bei Demenz vor. Auch bei der Parkinson-Erkrankung können die fehlerhaften Eiweißablagerungen im Gehirn nachgewiesen werden — allerdings in anderen Gehirnbereichen. Treten neben Parkinson-Symptomen auch Einschränkungen geistiger Funktionen auf, spricht man von einer Parkinson-Demenz.

Die Abgrenzung zwischen Lewy-Body-Demenz und Parkinson-Demenz ist oft schwierig: Bei der LBD stehen kognitive Einschränkungen im Vordergrund und treten vor oder gleichzeitig mit Bewegungsstörungen auf. Bei der Parkinson-Demenz dagegen ist die motorische Erkrankung mindestens ein Jahr früher als die Demenz diagnostiziert worden.

MerkmalLewy-Körper-DemenzParkinson-Demenz
ReihenfolgeKognition & Bewegung gleichzeitig oder Kognition zuerstBewegungsstörung mind. 1 Jahr vor Demenz
HalluzinationenFrüh und ausgeprägtSpäter, meist medikamentös bedingt
SchwankungenStark ausgeprägtWeniger typisch
Reaktion auf L-DopaGering bis mäßigGut

Symptome im Überblick

Vor allem die geistigen Fähigkeiten im Alltag gehen bei dieser Demenzform zurück. Der Erkrankte kann sich immer schlechter organisieren, konzentrieren und Entscheidungen treffen. Gleichzeitig treten Einschränkungen der Bewegungen und andere körperliche Symptome auf. Angehörige können erste Symptome oft gut wahrnehmen — eine frühzeitige ärztliche Abklärung ist wichtig.

Diagnose

Ein Arzt diagnostiziert die Lewy-Body-Demenz anhand der Symptome und des Krankheitsbildes. Es gibt keinen einzelnen Test, der die Erkrankung eindeutig nachweist. Typischerweise umfasst die Diagnostik eine Anamnese mit dem Patienten und den Angehörigen, neuropsychologische Tests, Blutuntersuchungen sowie bildgebende Verfahren wie MRT oder CT.

Wenden Sie sich als Angehöriger frühzeitig an eine Memory-Klinik oder einen Neurologen. Eine fachübergreifende Abklärung ist sinnvoll, da LBD oft mit Alzheimer oder Parkinson verwechselt wird. Oft werden Fälle jahrelang falsch behandelt — eine frühe korrekte Diagnose kann erhebliche Risiken vermeiden.

Als Leitsymptome für die Diagnose gelten: ausgeprägte Fluktuationen der Aufmerksamkeit, wiederkehrende detaillierte Halluzinationen, REM-Schlaf-Verhaltensstörung und spontane Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen.

Behandlung & Therapie

Der Abbau von Nervenzellen kann bei der LBD nur verlangsamt, nicht gestoppt werden. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, die Lebensqualität zu erhalten und Symptome zu lindern.

Medikamentöse Therapie

Acetylcholinesterase-Hemmer wie Rivastigmin zeigen bei LBD häufig eine bessere Wirkung als bei anderen Demenzformen — sie verbessern kognitive Funktionen und können Halluzinationen lindern. In einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt wird individuell abgewogen, welche Präparate geeignet sind. Antipsychotika sollten nur mit größter Vorsicht und unter strenger Beobachtung eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Therapie

Ergänzend zur Medikation stehen verschiedene nicht-pharmakologische Ansätze zur Verfügung, die den Alltag der Erkrankten stabilisieren: Physiotherapie zur Verbesserung der Mobilität, Ergotherapie zur Alltagsbewältigung, Musiktherapie und strukturierte Tagesabläufe. Regelmäßige Bewegung und soziale Kontakte sind wichtig, um den Abbau zu verlangsamen.

Verlauf der Erkrankung

Im Durchschnitt dauern Lewy-Körper-Demenzen nach Stellen der Diagnose sieben bis acht Jahre. Zu Beginn zeichnet sich die Erkrankung durch die typischen Fluktuationen und Halluzinationen aus. Mit der Zeit nimmt die Selbstständigkeit des Betroffenen kontinuierlich ab.

Im frühen Stadium treten oft Stürze, Harninkontinenz und Schlafstörungen auf. Im mittleren Stadium wird umfassende Unterstützung bei allen Alltagsaktivitäten notwendig. Im späten Stadium wird der Erkrankte zunehmend bettlägerig und ist auf intensive Pflege rund um die Uhr angewiesen.

Unterstützung für Erkrankte und Angehörige

Wenn Sie als Angehöriger einen LBD-Erkrankten pflegen, ist das eine besondere Herausforderung — sowohl körperlich als auch emotional. Die psychotischen und körperlichen Einschränkungen machen die Pflege anspruchsvoller als bei anderen Demenzformen. Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung.

24h-Pflege zu Hause

Bei der 24-Stunden-Pflege kümmert sich eine Pflegekraft dauerhaft im Zuhause des Erkrankten. Das ermöglicht dem Betroffenen, in seiner vertrauten Umgebung zu bleiben — was gerade bei Demenz mit Halluzinationen und Orientierungsproblemen von großer Bedeutung ist. Durch Pflegegeld und das Verhinderungspflegebudget lässt sich ein erheblicher Teil der Kosten staatlich fördern.

Kurzzeitpflege & Verhinderungspflege

Wenn pflegende Angehörige vorübergehend ausfallen oder eine Auszeit benötigen, ermöglicht die Verhinderungspflege eine professionelle Ersatzversorgung. Die Kurzzeitpflege bietet stationäre Betreuung für begrenzte Zeiträume — zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt.

Wohnumfeld anpassen

Um Stürze zu vermeiden und mehr Sicherheit im Alltag zu gewährleisten, lohnt es sich, das Zuhause barrierefrei umzugestalten. Die Pflegekasse fördert wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.000 € pro Maßnahme.

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Häufige Fragen (FAQ)

Die Lewy-Körper-Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der sich fehlerhafte Eiweißablagerungen (Lewy-Körperchen) in den Nervenzellen bilden. Diese Ablagerungen schädigen die Gehirnfunktionen und führen zu kognitiven Einschränkungen, Halluzinationen und motorischen Störungen. Sie ist nach Alzheimer die zweithäufigste neurodegenerative Demenzform.
Lewy-Körperchen entstehen durch abnorme Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein in den Nervenzellen. Diese Ablagerungen hemmen Dopamin und Acetylcholin — wichtige Botenstoffe des Gehirns. Eine konkrete Ursache ist bisher nicht bekannt. Genetische Faktoren und das Alter spielen eine Rolle, ein eindeutiges Erbmuster ist nicht nachgewiesen.
Lewy-Körperchen kommen auch bei Parkinson vor. Der Unterschied: Bei der LBD treten kognitive Einschränkungen gleichzeitig oder vor den Bewegungsstörungen auf. Bei der Parkinson-Demenz besteht die motorische Erkrankung mindestens ein Jahr vor der Demenz. Beide Erkrankungen zeigen Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen und sprechen ähnlich auf Behandlungen an.
Die häufigsten Symptome sind starke Schwankungen der Aufmerksamkeit, wiederkehrende lebhafte optische Halluzinationen, Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen und Verhaltensstörungen im REM-Schlaf (Ausagieren von Träumen). Hinzu können Depressionen, Stürze durch Kreislaufprobleme und Harninkontinenz kommen.
Ein Neurologe oder Psychiater diagnostiziert LBD anhand der Symptome und einer fachübergreifenden Untersuchung. Diese umfasst Anamnese, neuropsychologische Tests, Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren (MRT/CT). Eine Memory-Klinik ist besonders empfehlenswert, da LBD häufig mit Alzheimer oder Parkinson verwechselt wird.
Eine Heilung ist nicht möglich. Acetylcholinesterase-Hemmer wie Rivastigmin können kognitive Symptome und Halluzinationen lindern. Antipsychotika sind bei LBD gefährlich und sollten nur unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Physiotherapie, Ergotherapie und strukturierte Tagesabläufe helfen, die Lebensqualität zu erhalten.
Im Durchschnitt dauert die Erkrankung nach Diagnosestellung sieben bis acht Jahre. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Im späten Stadium wird der Betroffene vollständig pflegebedürftig und auf Rundumbetreuung angewiesen.
Mit einem anerkannten Pflegegrad erhalten LBD-Erkrankte staatliche Leistungen wie Pflegegeld und den Entlastungsbetrag. Wenn die häusliche Pflege alleine nicht mehr möglich ist, bietet die 24h-Pflege eine professionelle und würdevolle Lösung im vertrauten Zuhause. Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege geben pflegenden Angehörigen notwendige Auszeiten.

Quellen: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), BMG, SGB XI, Alzheimer Europe, LBDA (Lewy Body Dementia Association)