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Pflegegrad beantragen 2025: Der vollständige Schritt-für-Schritt-Leitfaden

Was ist ein Pflegegrad und wer hat Anspruch?

Der Pflegegrad ist die offizielle Einstufung der Pflegebedürftigkeit in Deutschland. Seit 2017 gibt es fünf Pflegegrade statt der früheren drei Pflegestufen. Die Einstufung bestimmt, welche Leistungen Sie von der Pflegekasse erhalten – ob Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen.

Anspruch auf einen Pflegegrad haben Menschen, die aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Erkrankung oder Behinderung für mindestens sechs Monate Hilfe bei alltäglichen Aktivitäten benötigen. Das können grundpflegerische Tätigkeiten wie Körperhygiene, Ernährung oder Mobilität sein, aber auch die Bewältigung von psychischen oder kognitiven Anforderungen des Alltags.

Die 5 Pflegegrade im Überblick

Die Pflegegrade werden anhand eines Punktesystems vergeben. Je höher die Punktzahl, desto höher der Pflegegrad und desto mehr finanzielle Unterstützung erhalten Sie:

Pflegegrad Bezeichnung Punkte Pflegegeld 2025 Pflegesachleistung 2025
PG 1 Geringe Beeinträchtigung 12,5 – 27
PG 2 Erhebliche Beeinträchtigung 27 – 47,5 316 € 724 €
PG 3 Schwere Beeinträchtigung 47,5 – 70 545 € 1.363 €
PG 4 Schwerste Beeinträchtigung 70 – 90 728 € 1.693 €
PG 5 Schwerste Beeinträchtigung mit Bedarf 90 – 100 901 € 2.095 €

Hinweis: Die Beträge beziehen sich auf die monatlichen Leistungen ab 2025. Pflegegeld wird ausgezahlt, wenn Sie sich selbst kümmern (Angehörige, private Betreuer). Pflegesachleistungen sind Leistungen eines zugelassenen Pflegedienstes. Eine Kombinationsleistung ist ebenfalls möglich.

Schritt-für-Schritt: Antrag bei der Pflegekasse stellen

Schritt 1: Antragsformular besorgen

Der Antrag kann online, schriftlich oder persönlich bei Ihrer Pflegekasse eingereicht werden. Die meisten Krankenkassen bieten Online-Anträge auf ihren Websites an. Alternativ erhalten Sie das Formular „Antrag auf Feststellung von Pflegebedürftigkeit" bei jeder Krankenkasse.

Schritt 2: Vollständig ausfüllen

Füllen Sie das Formular sorgfältig aus und seien Sie dabei ehrlich und detailliert. Je genauer Sie Ihre Situation beschreiben, desto besser kann der Gutachter Ihre Bedürftigkeit einschätzen. Beschreiben Sie konkrete alltägliche Herausforderungen, nicht nur abstrakte Diagnosen.

Schritt 3: Einreichen mit Dokumenten

Reichen Sie Ärztliche Berichte, aktuelle Befunde und Diagnosen ein. Diese unterstützen Ihren Antrag und helfen dem Gutachter, ein umfassendes Bild zu erhalten.

Schritt 4: MDK-Termin erhalten

Nach Einreichung Ihres Antrags erhalten Sie innerhalb von zwei bis drei Wochen einen Termin vom Medizinischen Dienst (MDK). In Ausnahmefällen kann es bis zu vier Wochen dauern.

Musterformulierung: Pflegegrad formlos beantragen

Ein spezielles Antragsformular ist nicht zwingend erforderlich — ein formloses Schreiben an Ihre Pflegekasse genügt. Kopieren Sie die folgende Vorlage, passen Sie die Felder an und schicken Sie das Schreiben per Post oder per E-Mail an Ihre Krankenkasse.

Was passiert beim MDK-Hausbesuch?

Der Gutachter des Medizinischen Dienstes kommt normalerweise bei Ihnen zu Hause vorbei. Ein Besuch dauert in der Regel 20 bis 60 Minuten, je nach Komplexität der Situation. Der Gutachter wird Ihre tatsächliche Lebenssituation beobachten, mit Ihnen oder Ihren Angehörigen sprechen und gezielt Fragen stellen.

Der MDK-Gutachter ist nicht der Arzt, der die medizinische Diagnose stellt – diese kommt von Ihrem Hausarzt oder Facharzt. Der Gutachter bewertet stattdessen, wie Ihre Erkrankung oder Behinderung sich auf Ihre alltäglichen Aktivitäten auswirkt.

Das Begutachtungsassessment (NBA): Die 6 Module erklärt

Die Bewertung läuft nach einem standardisierten System ab – dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA). Es besteht aus sechs Modulen, die zusammen 100 Punkte ergeben:

Modul 1: Mobilität

Kann die Person aufstehen, laufen, Treppen steigen, die Position wechseln? Der Gutachter beobachtet, wie flüssig und selbstständig diese Bewegungen ablaufen.

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Kann die Person sich orientieren (Zeit, Ort, Person), kann sie Entscheidungen treffen und ihre Bedürfnisse mitteilen? Bei Demenz oder psychiatrischen Erkrankungen besonders wichtig.

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Gibt es unkontrollierte Wutausbrüche, Aggressionen, Angststörungen oder depressive Phasen, die Hilfe erfordern?

Modul 4: Selbstversorgung

Wer hilft bei Körperpflege, Zahnpflege, Toilettenhygiene, Blasen- und Stuhlentleerung, Anziehen, Essen und Trinken? Das ist oft das wichtigste Modul.

Modul 5: Bewältigung von Krankheit und Therapie

Wer kümmert sich um Medikamenteneinnahme, Injektionen, Verbandswechsel oder ähnliche Aufgaben?

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Kann die Person selbstständig Entscheidungen treffen, Hobbys nachgehen oder soziale Kontakte pflegen? Oder ist sie auch darin von Hilfe abhängig?

Wichtige Tipps für das Gutachter-Gespräch

Was tun bei Ablehnung oder zu niedrigem Pflegegrad?

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

Widerspruch einreichen

Sie haben genau einen Monat ab dem Ablehnungsbescheid Zeit, Widerspruch einzureichen. Das ist kostenlos. Bei dem Widerspruch wird ein neuer Gutachter beauftragt, der das Gutachten des ersten überprüft.

Beschwerde bei der Krankenkasse

Nennen Sie konkrete Punkte, warum Sie mit der Einstufung nicht einverstanden sind. Beziehen Sie sich auf das NBA und die Module, bei denen Sie sich unterbewertet fühlen.

Rechtsanwalt konsultieren

Bei persistenter Ablehnung oder sehr niedriger Einstufung kann ein Anwalt für Sozialrecht helfen. Viele arbeiten kostenlos für Bedürftige.

Statistiken zeigen, dass etwa ein Drittel aller Pflegegrad-Einstufungen nach Widerspruch erhöht wird. Es lohnt sich also, zu reagieren, wenn Sie sich unterbewertet fühlen.

Pflegegradstufe unsicher?

Sie wissen nicht, welcher Pflegegrad für Sie realistisch ist, oder möchten Ihren Antrag optimieren? Wir helfen kostenlos bei der Vorbereitung.

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